Wer mehrere digitale Angebote der Verwaltung nutzt, begegnet häufig demselben Problem in unterschiedlichen Varianten: neues Portal, neues Konto, neues Passwort, neue Oberfläche.
Technisch ist das nachvollziehbar. Unterschiedliche Institutionen betreiben unterschiedliche Systeme und sind für unterschiedliche Verfahren verantwortlich.
Aus Sicht der Bürgerinnen und Bürger ist diese Trennung allerdings wenig hilfreich. Wer gleichzeitig mit einer Stadtverwaltung, einem Jobcenter und einer anderen Institution zu tun hat, denkt nicht in deren IT-Systemen. Man möchte das eigene Anliegen erledigen.
BUERGERPORTAL.DE trennt deshalb zwei Dinge, die bei klassischen Portalen häufig zusammenfallen: die digitale Identität einer Person und den Zugang zu einer bestimmten Institution.
Ein persönliches Konto für mehrere Institutionen
Im Mittelpunkt steht ein zentrales Bürgerportal-Konto.
Die Anmeldung bei BUERGERPORTAL.DE erfolgt über dieses Konto. Es kann mit mehreren teilnehmenden Institutionen verbunden werden.
Ein weiteres Jobcenter, eine Kommune oder eine andere angeschlossene Institution erfordert nicht zwangsläufig ein weiteres Bürgerportal-Konto. Die Person bleibt dieselbe. Hinzu kommt eine weitere institutionelle Verbindung.
Technisch übernimmt der Identity Hub die zentralen Aufgaben rund um Konto und Anmeldung. Dazu gehört auch die Absicherung des Kontos mit einem zweiten Faktor.
Der Identity Hub ist damit die gemeinsame Zugangsebene. Die eigentlichen institutionellen Beziehungen bleiben davon getrennt.
Ein Konto ist noch keine Freigabe durch eine Institution
Wer ein Bürgerportal-Konto besitzt, hat damit nicht automatisch Zugriff auf die Daten oder Angebote einer bestimmten Institution.
Die Verbindung ist eine eigene Entscheidung.
Eine Person beantragt den Zugang zu einer Institution. Die Institution ordnet die Person ihrem vorhandenen Datensatz zu und gibt die Verbindung frei. Erst anschließend kann der institutionelle Bereich mit den dort bereitgestellten Funktionen genutzt werden.
Ein bestätigtes Bürgerportal-Konto sagt: Diese Person kann sich mit diesem Konto anmelden.
Die Institution entscheidet zusätzlich: Diese Person erhält Zugang zu ihrem institutionellen Bereich.
Konto und Institutionszugang sind damit bewusst zwei unterschiedliche Ebenen.
Mehrere Institutionen bedeuten nicht einen gemeinsamen Datenbestand
Der gemeinsame Zugang darf nicht mit einer gemeinsamen Verwaltungsakte verwechselt werden.
Wenn eine Person mit mehreren Institutionen verbunden ist, werden diese dadurch nicht zu einer einzigen Organisation. Jede Institution bleibt für ihre eigenen Leistungen, Verfahren und Daten verantwortlich.
Auch technisch sind die institutionellen Bereiche voneinander getrennt.
Unterlagen und Angaben, die einer Institution übermittelt werden, sind dadurch nicht automatisch für eine andere Institution zugänglich. Das gilt auch dann, wenn beide über dasselbe Bürgerportal-Konto erreicht werden.
Das Konto schafft also einen gemeinsamen Zugangspunkt. Es hebt institutionelle Grenzen nicht auf.
Die Institution bestimmt, was hinter ihrer Verbindung angeboten wird
Nicht jede Institution muss in BUERGERPORTAL.DE dieselben Funktionen bereitstellen.
Zum Grundumfang können beispielsweise Dokumente, Mitteilungen, digitale Post, Termine und weitere Informationen gehören. Zusätzliche Funktionen lassen sich abhängig vom jeweiligen Einsatzszenario ergänzen.
Für Bürgerinnen und Bürger bedeutet das: Die Oberfläche und der Zugang folgen einem gemeinsamen Grundprinzip, der tatsächliche Funktionsumfang einer Institution kann sich aber unterscheiden.
Ein Jobcenter hat andere fachliche Anforderungen als eine andere kommunale Stelle. Eine Plattform für mehrere Institutionstypen sollte diese Unterschiede nicht künstlich beseitigen.
Sie sollte dafür sorgen, dass der Zugang trotz dieser Unterschiede verständlich bleibt.
Web und App greifen auf dasselbe Konto zurück
BUERGERPORTAL.DE bietet einen Zugang über den Browser und mobile Anwendungen entsprechend dem veröffentlichten Produktstand.
iOS App: Store-Review. Android App: Store-Review. Aktuelle Verfügbarkeit und Download-Links: www.buergerportal.de/die-app.
Dabei entsteht für die App keine zweite Identität. Sie nutzt dasselbe Bürgerportal-Konto.
Die mobile Anwendung soll nicht nur eine verkleinerte Website sein. Auf dem Smartphone können Funktionen genutzt werden, die dort sinnvoller sind als am Desktop.
Ein Beispiel ist die Dokumentenerfassung.
Mehrseitige Unterlagen lassen sich mit der Dokumentenkamera erfassen, Seiten können ausgerichtet und zusammengestellt werden und das fertige Dokument kann anschließend über die Plattform an die entsprechende Institution übermittelt werden.
Der Scan ist dabei kein eigenes Produkt. Er ist eine mobile Funktion innerhalb desselben Bürgerzugangs.
Auch digitale Post, Nachrichten, Termine und weitere von der Institution bereitgestellte Angebote können über die App zugänglich gemacht werden.
Der genaue Funktionsumfang von Web und App muss dabei nicht in jedem Punkt identisch sein.
Zentrale Identität, dezentrale fachliche Verantwortung
Architektonisch lässt sich das Prinzip auf einen einfachen Satz reduzieren:
Die Identität wird gemeinsam genutzt, die fachliche Verantwortung nicht.
Der Identity Hub übernimmt Konto, Anmeldung und die Zuordnung der institutionellen Verbindungen.
Der jeweilige institutionelle Bereich stellt die für diese Institution verfügbaren Funktionen bereit.
Dahinter können Fachverfahren, Dokumentenmanagementsysteme und weitere Systeme der Institution angebunden sein.
BUERGERPORTAL.DE versucht damit nicht, sämtliche Verwaltungssoftware in einem zentralen System zu ersetzen. Die Plattform schafft eine gemeinsame Zugangsebene vor unterschiedlichen institutionellen Systemlandschaften.
Geschützte Kommunikation braucht einen angemeldeten Bereich
Die gemeinsame Identität ist außerdem Voraussetzung für einen wichtigen Anwendungsfall: schriftliche digitale Kommunikation über vertrauliche Vorgänge.
Viele Nachrichten und Unterlagen im Austausch mit Institutionen sind vertraulich und eignen sich nicht für den Versand als gewöhnliche E-Mail. Gleichzeitig ist Papierpost langsam und verursacht auf beiden Seiten zusätzlichen Aufwand.
In BUERGERPORTAL.DE kann der eigentliche Inhalt deshalb im angemeldeten institutionellen Bereich bereitgestellt werden.
Eine E-Mail oder Push-Mitteilung kann darüber informieren, dass etwas Neues vorliegt. Der vertrauliche Inhalt muss dafür nicht Bestandteil der Benachrichtigung sein.
Die Verbindung lässt sich auch wieder trennen
Ein gemeinsames Bürgerportal-Konto soll nicht bedeuten, dass eine einmal hergestellte Verbindung dauerhaft bestehen muss.
Eine institutionelle Verbindung kann deshalb vom Konto getrennt werden, ohne dafür das gesamte Bürgerportal-Konto zu löschen.
Wer die Verbindung zu einer Institution beendet, soll dadurch nicht automatisch seine übrigen Verbindungen und sein gesamtes Konto verlieren.
Neue Identitätsnachweise müssen sich in dieses Prinzip einfügen
Diese Architektur ist auch für die weitere Entwicklung relevant.
Mit der europäischen EUDI Wallet entstehen neue Möglichkeiten, digitale Identitäten und amtlich bestätigte Merkmale nachzuweisen. BUERGERPORTAL.DE bereitet sich auf diese Entwicklung vor.
Das Grundprinzip ändert sich dadurch nicht: Ein Identitätsnachweis beantwortet nicht automatisch die Frage, welche Daten eine Institution einer Person zugänglich machen darf oder für welchen Vorgang sie zuständig ist.
Identität, Nachweis und institutionelle Berechtigung müssen deshalb weiterhin sauber voneinander unterschieden werden.
Wir planen, die EUDI-Wallet-Funktionen zum Start am 02.01.2027 im Bürgerportal bereitzustellen. Die Anbindung soll zentral über den Bürgerportal Identity Hub erfolgen.
Ein gemeinsamer Zugang muss nicht zu einer zentralen Verwaltung führen
Bei einem institutionenübergreifenden Bürgerportal-Konto liegt ein Missverständnis nahe: Wenn der Zugang zentral ist, müssten auch die dahinterliegenden Verwaltungsdaten zentralisiert werden.
Das ist für BUERGERPORTAL.DE nicht das Ziel.
Gemeinsam sind die Identität und das Grundprinzip des Zugangs. Die einzelnen Institutionen, ihre fachlichen Systeme, ihre Angebote und ihre Verantwortlichkeiten bleiben getrennt.
Für Bürgerinnen und Bürger entsteht dadurch im besten Fall etwas, das bei anderen digitalen Diensten längst selbstverständlich ist: Man muss nicht jedes Mal von vorne anfangen, nur weil auf der anderen Seite eine andere Organisation zuständig ist.
Die technische Herausforderung besteht darin, diesen einfacheren Zugang zu ermöglichen, ohne die organisatorischen und fachlichen Grenzen dahinter zu verwischen.
Genau dafür ist BUERGERPORTAL.DE als Plattform aufgebaut.